Heinrich Carl von Schimmelmann
Tabellarischer Lebenslauf
| 13.07.1724 |
Geburt von Heinrich Carl Schimmelmann in Demmin. Ausbildung zum Kaufmann Stettin, heute Szczecin. |
| 1744/45 | S. dient König Friedrich II. von Preußen während des Zweiten Schlesischen Kriegs (1744/45) als Lieferant für das preußische Heer und folgt ihm nach Böhmen, heute Tschechische Republik. Dieses Unternehmen bringt ihm erste größere Mittel ein. |
| 1745 | S. erhält das Bürgerrecht der Stadt Dresden und gründet dort ein Handelshaus. |
| 04.03.1747 | S. heiratet in Dresden Caroline Tugendreich Friedeborn (29.09.1730 bis 30.11.1795). |
| 1755 bis 1756 | S. pachtet gemeinsam mit Graf Bolza die Verbrauchssteuereinnahmen (Generalaccise) des Landes Kursachsen (ausgenommen die Städte Leipzig und Langensalza und die Grafschaft Mansfeld) und erhält einen entsprechenden Titel: Er wird zum Acciserat ernannt. |
| 1756 | Nachdem König Friedrich II. von Preußen während seines Krieges gegen Sachsen in den Besitz der Meißner Porzellanmanufaktur gekommen war, verkaufte er S. den dortigen Porzellanbestand für 120.000 Thaler. Der Verkauf dieser Porzellanwaren war S. aber aufgrund protektionistischer Regeln nur außerhalb Preußens gestattet. |
| 1756 | S. wird gemeinsam mit F.B. Schönbergk v. Brenkendorff Hauptlieferant für das preußische Heer zu Beginn des Siebenjährigen Krieges. |
| Herbst 1758 |
S. zieht nach Hamburg und lässt sich in der Mühlenstraße am Michel nieder. In dieser Stadt kann die Versteigerung des Porzellans stattfinden. Obwohl er nie einen Antrag auf Erwerb des Stadtrechts stellte, befasste sich der Senat der Hansestadt noch im selben Jahr mit diesem Thema. Er entschied, dass S. als ein Bürger der Stadt Dresden, der er immernoch war und als Träger eines preußischen Titels (Generalacciserat) kein Bürgerrecht in der Stadt erhalten könne. Hätte er seinen Reichtum in die städtischen Banken eingespeist, hätte eine Abhängigkeit mit unabsehbaren Folgen für die Hamburger Kaufmannschaft eintreten können. |
| 1759 | S. fasst den Erwerb des Gutes Ahrensburg ins Auge und erwägt dort eine Textilproduktion zu starten. Dazu möchte er eine Kolonie der Herrenhuter hier ansiedeln. Diese christliche Glaubensgemeinschaft wurde besonders von Handwerkern geschätzt, deren Kenntnisse und Fleiß S. für eine Industrieansiedlung nutzen möchte. Von diesem Plan nimmt er jedoch Abstand, als 1760 der ihm persönlich bekannte Leiter der Herrenhuter, Graf Zinsendorf, unerwartet verstirbt. |
| 3.1. 1759 | S. kauft das Gut Ahrensburg mit dem Schloss und den dazugehörigen Dörfern für 180.000 Reichsthaler. |
| vor 1761 |
Aus einem Schreiben des Herzogs Carl Friedrich von Holstein-Plön an den Hamburger Kaufmann Abel Seyler geht hervor, dass er mit S. eine Absprache getroffen habe, die Münze im Rethwischer Schloss (Stormarn), also das Recht der Münzprägung einem weiteren Fürsten zu verpachten. Demnach war S. in die Aktivitäten Abel Seylers eingebunden oder sein Konkurrent. In einer Zeit, in der der Nennwert einer Münze in etwa auch ihrem Materialwert entsprach, konnte durch Beigabe minderwertigerer Metalle ein Gewinn erwirtschaftet werden. Die Landesherren, die das Recht zur Münzprägung besaßen, ließen nicht selten durch bürgerliche Unternehmer solche Manipulationen durchführen, um sich mit frischen Geld zu versorgen. |
| 24.07.1761 | S. reist nach Kopenhagen, erhält dort den Titel eines dänischen Kammerherren und ist von nun an für die Dänische Krone aktiv. Seine Hauptaufgabe besteht darin, den Hof mit Geld zu versorgen. |
| 05.08.1761 | S. wird dänischer Gesandter im Niedersächsischen Kreis (in Hamburg Akreditierte) Der Niedersächsische Kreis war einer von zehn Reichskreisen, in die das Heilige Römische Reich seit dem 16. Jahrundert aufgeteilt worden war. Diese Aufteilung beinhaltete die Verpflichtung der einzelnen Kreise gegenüber dem Kaiser, dass dieser im Kriegsfall mit bestimmten Kontingenten an Soldaten und Pferden rechnen konnte und zum anderen wurden durch fest vereinbarte Beiträge für die Reichsoperationskasse das Kaisertum finanziert. |
| 14.08.1761 | S. wird zum Generalintendant ved Kommercen ernannt und damit verantwortlicher Leiter des Handels der dänischen Krone. |
| 1761 | S. kauft das Berckenthinsche Palais (Odd Fellow-Palae) in Kopenhagen. Es wird zu seinem festem Wohnsitz während seiner Aufenthalte in der dänischen Hauptstadt. |
| 1762 | S. gelingt es, den dänischen König Friedrich V. mit 1 Million Reichsthalern zu versorgen, indem er die Stadt Hamburg mit einer Zwangsanleihe belastet. Da die Kaufleute der Stadt Hamburg diesen Betrag nicht aus eigener Kraft aufbringen können, beteiligt er sich selbst am Zustandekommen der Summe. |
| 1762 |
S. kauft das Gut Wandsbek mit den dazugehörigen Dörfern und der Wandesburg, einem alten Schloss, das er im Jahr darauf abreißen lässt. 1765 beginnt der Neubau des Wandsbeker Schlosses nach Plänen von Carl Gottlob Horn. |
| 16.04.1762 | S. kauft das Gut Lindenborg. Durch die Erhebung des Gutes in eine Baronie wird seine Person selbst in den Freiherrenstand erhoben. Damit erreicht S. die unterste Stufe der Adelshierarchie. |
| 1762 | S. wird Mitglied der Overskattedirektionen, der Steuerdirektion des dänischen Königreichs und erhält damit den Überblick über die Einnahmequellen des Landes. |
| 1763 |
S. kauft vom dänischen König Friedrich V. die Plantagen der Kolonien Dänisch-Westindien, heute Virgin Islands, eine Inselgruppe der Kleinen Antillen zwischen Atlantik und der Karibik gelegen, von insgesamt 653 Quadratkilometern. Die einheimische Bevölkerung der Virgin Islands überstand die Inbesitznahme durch die Spanier im 16. Jahrhundert nicht, obwohl sich diese dort nicht niederließen. Dadurch war es der dänischen Krone möglich, hier einige der Inseln in Besitz zu nehmen. Anfang der 1730er Jahre begann dort der Aufbau einer Zuckerrohrproduktion im größerem Maßstab durch den Einsatz afrikanischer Sklaven. Doch die Einkünfte ließen aus Sicht der dänschen Krone noch zu wünschen übrig. S. erkannte, dass sich das Potential dieser Form der Bewirtschaftung steigern ließ und erwarb die Plantagen auf den Inseln S. Croix und St. Jan. Er investierte in ihren Ausbau und in den Kauf weiterer Sklaven. Die Schätzungen reichen in Größenordnungen von bis zu 1000 Personen. Sein Neffe Ludwig Heinrich Ernst Schimmelmann, der für ihn in Kopenhagen und Hamburg arbeitete wurde 1773 Gouverneur der dänischen westindischen Inseln. S. selbst besuchte sie nie, wurde aber einer der Direktoren der Königlich Oktroyierten Westindischen Kompagnie. In Christinanshavn, heute ein Stadtteil von Kopenhagen, stand die Raffinerie für den importierten Rohzucker, die S. ebenfalls erwarb. 1768 wandelte er den gesamten Besitz (Plantagen, Schiffe, Sklaven und Zuckerfabrik) in eine Aktiongesellschaft, ohne die Anteile an der Börse handeln zu lassen mit ihm selbst als einzigen Gesellschafter, lange bevor er den Preis für den Erwerb vollständig abgezahlt hatte. Diese AG konnte er nun wiederum beleihen. |
| 18.02.1765 | S. wird zum dänischen Geheimrat ernannt. |
| 07.03.1767 | S. wird Mitglied im General-Landets-Okonomi-og Kommercekollegiet (General Landes-- Wirtschaft und Handelskammer?) bis 1778 |
| 1767 | Der Dänische König Christian VII. wünscht die Gründung einer Heringsfischerkompagnie in Altona und setzt S. als Präsidenten ein. Dieses Unternehmen war als Konkurrenz zur Holländischen Heringsfischerei gedacht, da die Holländer ihren Fisch in Altona und Hamburg verkaufen wollten, aber nicht bereit waren hohe Zollaufschläge zu zahlen (Die Stadt Hamburg wurde damals von der dänischen Krone beansprucht). Die Schiffe der Altonaer Heringskompagnie gingen auch auf Robben- und Walfang. |
| 1768 | S. kauft die Gewehrfabrik Hammermoellen Hellebaek vom dänschen König. Damit konnte er europäische Sklavenhändler auf ihrem Weg nach Westafrika nicht nur mit dem aus Zucker gewonnenen Schnaps beliefern, sondern auch mit Waffen. |
| 1768 |
König Christian VII. von Dänemark unternimmt mit S. eine Reise durch Deutschland, Holland, Frankreich und England auf dessen Kosten. |
| 08.02.1768 | S. wird Mitglied in der Landvaesenskommissionen. |
| 12.02.1768 | S. wird Mitglied im Generalkommercekollegiet bis 1771. |
| 11.03 1768 | S. wird Mitglied in Undersoegelse af Rigets Handelsbalance og Finanser. |
| 30.03.1768 | S. wird Mitglied im Generallandvaesenskollegiet. |
| 27.05.1768 | Abschluss des Gottorper-Vertrags. Durch Erbfolge war das Fürstentum Holstein-Gottdorf an Russland gefallen, was Verhandlungen über Gebietsaustausche zur Folge hatte. Kasper von Saldern, der russischer Gesandte, und S. verhandelten mit den Beteiligten. Im Rahmen dieses Vertrags erkennt Dänemark das Kaiserliche Kammergerichtsurteil von 1618 an, das Hamburg als eine freie Reichsstadt ausweist. Dafür musste Dänemark weder die Zwangsanleihe aus dem Jahr 1762 an Hamburg zurückzahlen noch seine übrigen Schulden. |
| 10.06.1768 | S. wird zum dänischen Schatzmeister ernannt, dem höchste Titel im dänischen Königreich. |
| 29.10.1772 | S. nimmt an den Verhandlungen um die Herzoglichen Anteile von Holstein an den Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst teil. Diese Enden mit dem Ergenis, dass Dänemark die Grafschaften Oldenburg und Delmenhorst in die Selbständigkeit entlässt. [Selbständigkeit ? Wer übernimmt die Herrschaft?] |
| 1773 | S. ist wissenschaftlicher Berater für einen Tauschvertrag Zarskoje Selo und Russland [unklar] |
| 1774 | Die Almindelige Handelskompanie wird aufgelöst und von S. in seine eigenen Handelsgesellschaften integriert, so dass sie eine Konkurrenz mehr darstellt. [Bewertung: S. auf dem Weg zum Monopolisten?] |
| 21.10.1774 | S. erhält den Elephantenorden und wird zum blaa Ridder ernannt. [Bedeutung?] |
| 1775 | Die dänische Krone kauft sämtliche Anteile der Heringskompagnie auf. [eine AG?] Das Unternehmen wird umbenannt in Königliches Handels- und Fischerei-Institut und S. wird einer der Direktoren. |
| ab 1776 | S. wird einer der Befürworter für den Bau des Schleswig-Holstein-Kanals, heute Nord-Ostsee-Kanal und unterstützt die Planungen. |
| 28.04.1779 | S. erhält den Adelstitel Graf. |
| 18.06.1781 | Die Baronie Lindenborg wird Grafschaft. |
| 15.02.1782 | S. stirbt in Kopenhagen und wird dort in Sankt Petris Kapellen beigesetzt. |
| 24.10.1785 | Überführung des Leichnams in die Wandsbeker Kirche. |
| um 1792 | Überführung in das Mausoleum in Wandsbek. |
