Ende des 19. Jahrhunderts galt Ahrensburg als ländliche Hochburg der SPD, obwohl die Partei damals durch die sogenannten Sozialistengesetze in die Illegalität verbannt war. Die erste offizielle Ortsgruppe der SPD konnte erst 1903, also 13 Jahre nach dem Ende der Sozialistengesetze gegründet werden. Außerdem lebte hier während der Weimarer Republik ein Anzahl Kommunisten, während im Villengebiet vorrangig die liberalen Parteien wie die Zentrums- und die Deutsch Nationale Volkspartei gewählt wurden.
Ahrensburg unterm Hakenkreuz
Diese politischen Strukturen änderten sich, als der Ort aufgrund seiner guten Lage 1927 für die Gründung der ersten NSDAP-Ortsgruppe des Kreises Stormarn ausgewählt wurde. Ahrensburg war verkehrstechnisch gut angebunden und die Bewohner der umliegenen Orte machten hier ihre Besorgungen. Die NSDAP-Ortsgruppe war zurzeit ihrer Gründung nach eigenen Angaben nur 20 Personen stark, doch kam im gleichen Jahr auch noch eine SA-Gruppe dazu. Beide Organisationen sorgten dafür, dass sich Ahrensburg zu einem regionalen Zentrum für Aufmärsche verschiedenster NS-Organisationen entwickelte. Als Adolf Hitler 1933 mit der NSDAP an die Macht kam, war diese institutionell hier bereits voll entwickelt und hatte die Bevölkerung mit den Mitteln von Propaganda und Einschüchterung weitgehend hinter sich versammelt. Nun wurden sämtliche Vereine und Organisationen gleichgeschaltet, also zu NS-Organisationen oder verboten. Auch Ahrensburger wurden während der NS-Zeit Opfer von Verfolgung, Enteignung und Ermordung. Betroffen waren neben den ansässigen Juden auch politisch Andersdenkende und Behinderte.
Der nationalsozialistische Bürgermeister Scheele bemühte sich um die Ansiedelung eines Rüstungsbetriebs, um das kommunale Steueraufkommen zu erhöhen und einen Beitrag zur Rüstungswirtschaft zu erbringen. Während des Zweiten Weltkriegs wurde auf einem Gelände am Beimoorweg in zwei Bauabschnitten 1939/40 und 1943/44 im Auftrag des Oberkommandos der Kriegsmarine ein Fertigungswerk errichtet, das sogenannte Walter-Werk. In diesem Zweigwerk der H. Walter KG in Kiel, einem Rüstungsunternehmens für U-Boote, wurden nun Antriebswellen für Torpedos produziert. Lions 37 und 38
Der Zweite Weltkrieg 1939 bis 1945
Mit Beginn des Krieges 1939 wurden viele Ahrensburger als Soldaten in den Krieg eingezogen. Bereits ab 1940 konnte man hier britische und amerikanische Luftgeschwader Richtung Hamburg und Berlin fliegen sehen. Vereinzelt kam es zu Bomben-Notabwürfe über Ahrensburger Gebiet. Die Einwohner bekamen aus der Ferne durch Dunkelheit am Tage und Ascheregen mit, wie Hamburger Stadtteile in der zeit vom 24. Juli bis 3. August 1943 im Zuge der Operation Gomorrha bombardiert wurden. Tagelang strömten Flüchtlinge aus Hamburg in die Umgebung. Viele tausend Menschen wurden durch Ahrensburg geschleust bzw. kamen hier bei Verwandten unter. Die Kreisverwaltung in Wandsbek wurde ebenfalls bei einem Luftangriff zerstört.
Als Ersatz für die Arbeitskraft der Männer, die als Soldaten eingezogen waren, wurden nun Zwangsarbeitende aus den besetzten Gebieten eingesetzt, sogenannte Fremdarbeiter. Sie waren auf sämtlichen Höfen anzutreffen und in jedem Betrieb, häufig sogar zu mehreren. Die Bevölkerung wurde angewiesen, sie als minderwertige Menschen anzusehen und keine wie auch immer gearteten Beziehungen zu knüpfen. Lions 40, 44
Nach dem Krieg
Am 3. Mai 1945 endete mit dem Einrollen der englischen Panzer für Ahrensburg der Zweite Weltkrieg. Das Walter-Werk wurde erst zum zentralen Gefangenenlager für deutsche Soldaten, anschließend wurde es von der Besatzungstruppe zum technischen Stützpunkt und zur Reparaturwerkstätte ausgebaut. Auf der Autobahn, die für den Zivilverkehr gesperrt worden war, standen kilometerlang aufgestellt Hunderte von Militärfahrzeugen, Panzer und Kanonen.
In Schleswig-Holstein hatten zwar, von Luftangriffen abgesehen, kaum Kampfhandlungen stattgefunden, aber die Wirtschaft lag völlig am Boden. Flüchtlinge, die vor der anrückenden Front aus den Ostgebieten geflohen waren, entlassene Soldaten und freigelassene Zwangsarbeiter erhöhten die Bevölkerungszahl streckenweise um 70 Prozent. An der Großen Straße wurden sogenannte Nissenhütten aus Wellblech aufgestellt, in denen täglich Essen für die angekommenen Menschen gekocht wurde.
Bei Kriegsausbruch lebten in Ahrensburg 8.270 Bewohner. Durch den Zuzug von ausgebombten Hamburgern stieg 1944 die Einwohnerzahl auf 12.470 und mit Beginn des Jahres 1945 und dem Heranrücken der Front im Osten wuchs die Bevölkerung zeitweise auf über 18.000 Bewohner.
Die britische Militärregierung erließ eine Verordnung, nach der alle erforderlichen Maßnahmen in die Verantwortung der deutschen Behörden übergeben wurden. Daraufhin wurden ein Wohnungsamt und ein Wohnungsausschuss gebildet. Die Bereitstellung von Wohnraum wurde zu einer fast unlösbaren Aufgabe. Das Schloss und sämtliche Schulen, soweit sie nicht als Reservelazarette fungierten, Gaststätten und größere Häuser wurden zu Notquartieren umfunktioniert. Mit dem Beginn der Vertreibungen aus den deutschen Ostgebieten kamen zusätzliche Flüchtlinge an. 1946 entschied der Flüchtlingsausschuss, die Übernahme der Verantwortung abzulehnen, falls weitere Transporte eintreffen sollten. Die Versorgungslage der Bevölkerung blieb auch 1947 noch katastrophal, und auf eine entlastende Verteilung der Flüchtlinge innerhalb des britischen Besatzungsgebietes wartete man auch 1948 vergeblich. Doch nach der Übergabe der Stadtrechte 1949 konnte die kommunale Verwaltung von Ahrensburg Fördermittel aus dem Marshall-Plan beantragen, und ab 1950 begannen die Planungen für den Wohnungsbau.
Lions 43,46
