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1867: Ahrensburg wird preußische Landgemeinde

Nachdem sich Preußen in zwei Kriegen um Schleswig-Holstein behauptet hatte, wurde das Land preußisch. Das bedeutete einige Veränderungen für die Bevölkerung wie zum Beispiel ein anderes Besteuerungssystem, und die Einführung der dreijährigen Wehrpflicht für den Mann. Aber es kamen auch Freiheiten hinzu wie die Niederlassungs-, die Vereinigungs- und die Versammlungsfreiheit - soweit es sich um unpolitische Versammlungen handelte. Daraufhin wurde in Woldenhorn 1888 als erster Verein die Freiwillige Feuerwehr gegründet und kurz darauf der Bürgerverein.

Die Provinz Schleswig-Holstein wurde 1867 in Kreise aufgeteilt, dadurch entstand die Gebietskörperschaft Stormarn mit Wandsbek als Kreisstadt. Aus dem Dorf wurde nun eine Gemeinde, und diese verwaltete ihre Angelegenheiten selbst. Der Bauernvogt, ein ehemals so genannter Sprecher für die Bauern im Dorf, wurde von einem gewählten Gemeindevorsteher abgelöst. 

1878 gründete Carl Graf von Schimmelmann einen eigenen Gutsbezirk, der seine gesamten Ahrensburger Ländereien umfasste. Auch ein flächenmäßig großer Teil von Woldenhorn, der vom Schloss bis etwa zum Beginn der Großen Straße in den Ort reichte, gehörte zu diesem Gutsbezirk. Damit war Ahrensburg nun zweigeteilt, denn bis zur gesetzlichen Auflösung der Gutsbezirke im Jahr 1928 waren die Grafen Schimmelmann im Gutsbezirk die lokale Obrigkeit.

 

Die Bahn kommt!

Am 1. August 1865 wurde der Bahnhof eröffnet. Er trug das Stationsschild Ahrensburg, da das Gelände zum Gut gehörte. Die Bahntrasse war südöstlich um Woldenhorn herum geführt worden, so dass der Bahnhof damals noch außerhalb des Ortes lag. Auf ihrer ersten Gemeindeversammlung im Jahr 1867 beschlossen die Einwohner Woldenhorns, dass ihr Dorf nun wie die Bahnstation Ahrensburg heißen sollte. Die Anbindung bedeutete zusätzliche Absatzsatzmöglichkeiten von landwirtschaftlichen Produkten in Hamburg, insbesondere von Milch.

In den Sommermonaten wurden an den Sonn- und Feiertagen Sonderzüge eingesetzt, um Ausflügler aus Hamburg ins Grüne zu bringen. Sie wanderten von hier in den Hagen oder in den Hamburger Wald nach Großhansdorf. Viele Ahrensburger sahen in diesem Ausflugsverkehr eine Erwerbschance und errichteten einen Hotelbetrieb oder eine Gaststätte. Um 1880 gab es im Ortskern von Ahrensburg bei 1500 Einwohnern 16 Gaststätten.

Durch die Möglichkeit, innerhalb einer halben Stunde Fahrtzeit die Innenstadt von Hamburg zu erreichen, wurde der Ort für wohlhabende Hamburger attraktiv, die ihren Wohnsitz hieraus verlegten und pendelten. Nach dem Ausbruch der Cholera-Epidemie in Hamburg 1892 verstärkte sich dieser Trend. Dadurch entstand östlich des Bahnhofs ein Villenviertel, in dem ein gehobenen Lebensstil gepflegt wurde, mit wenigen Berührungspunkten zu den einheimischen "links" der Gleise. Für die parkähnlichen Gärten der Hamburger Villenbesitzer bestand ein großer Bedarf an Pflanzen, so dass sich in der in der Folge Gärtnereien und Landschaftgestalter ansiedelten. Aus dieser Zeit stammt die Bezeichnung "Nordisches Idyll" für Ahrensburg und seine Umgebung.

Doch auch die Armut war nach wie vor in Ahrensburg weit verbreitet und nahm sogar noch zu. In den Städten Hamburg, Wandsbek (mit ca. 30 Fabriken) und Altona entstand ein Überangebot an Arbeitskräften und in der Folge Arbeitslosigkeit und Verelendung. Das Umland wie Stormarn wurde daher verstärkt von bettelnden Menschen auf der Suche nach Lohn und Obdach aufgesucht. Die Bettelei auf dem Lande nahm Ende der 1870er bis Anfang der 1880erJahre stark zu. Da dies ein offizielles Delikt war, wurden beinahe täglich Personen wegen Landstreicherei über Nacht in Haft genommen.

 

Der Erste Weltkrieg und seine Folgen

Der Erste Weltkrieg begann am 1. August 1914 in einer Atmosphäre des Hurra-Patriotismus und des Nationalismus. Bald darauf enstanden die ersten Versorgungsengpässe, und für wichtige Verbrauchsgüter mussten Bezugsscheine eingeführt werden. Dadurch sollte eine gleichmäßige Versorgung gewährleisten werden. Doch ab 1916 machte sich die aufkommende Versorgungsnot immer stärker bemerkbar. Das Nahrungsmittelangebot nahm weiter ab, denn Importe, auf die das Deutsche Reich angewiesen war, blieben durch die Blockademaßnahmen seiner Gegner (Großbritannien, Frankreich und Russland) aus. Nach einer verregneten Ernte und einem Kälteeinbruch im sogenannten Steckrübenwinter von 1916/17 hungerten auch in Ahrensburg viele Menschen, weil Lebensmittel aus der Region auch noch an die Städte Hamburg und Lübeck abgegeben werden mussten.

Aber auch die Kriegshandlungen selbst führten zu einer traurigen Bilanz: Sie kosteten 140 Soldaten aus Ahrensburg und den zugehörigen Dörfern das Leben. Nach Kriegsende im Jahr 1918 blieben die wirtschaftliche Situation und die Ernährungslage schlecht, da aufgrund der andauernden Blockade Energie- und Rohstoffmangel herrschte. Die Zeit war geprägt von Arbeitslosigkeit, Nahrungsmittelengpässen und dem Verfall der Währung. Die Mangelwirtschaft dauerte im Kreis Stormarn noch bis zum Ende der Inflation 1923 an.          Lions 15 (Conrad Wriggers in Flandern), Lions 16 (Vaterl.Verein)

Die Zeit der Weimarer Republik 1918 bis 1933

Die Revolution von 1918 vollzog sich in Ahrensburg in relativer Ruhe und sehr geordnet. Ein Arbeiter- und Soldatenrat hatte sich gegründet und arbeitete gemeinsam mit der Gemeindevertretung an einer möglichst gerechten Verteilung der Lebensmittel, um Diebstähle und Wucherhandel zu unterbinden.

Die ersten demokratischen Gemeindewahlen – bei denen erstmals auch Frauen wahlberechtigt waren - fanden im März 1919 statt. Während der Weimarer Republik wurde der Adel als privilegierter Stand abgeschafft und die Gutsbezirke 1928 aufgelöst. Durch die Zusammenlegung von Gemeinde und Gutsbezirk kam 1931 ein Verwaltungsbezirk zustande, der Ahrensburg mit den Ortsteilen Beimoor, Kremerberg und Wulfsdorf umfasste.

Die Grafen Schimmelmann gerieten Ende der 1920er Jahre unter wirtschaftlichen Druck und büßten 1928 auch noch Steuervorrechte ein. Carl Otto Graf von Schimmelmann verkaufte daraufhin große Gutsländereien, überwiegend als Siedlungsgelände. Teilweise wurde Land auch als Bauland verkauft, für das die Gemeinde gar keine Bebauung vorgesehen hatte. Als schließlich der Auszug der Grafenfamilie aus dem Schloss bevorstand, wurde auch das kostbare Inventar des Schlosses versteigert. Nach über 170 Jahren zog die Familie Schimmelmann 1932 endgültig aus dem Schloss Ahrensburg aus, und noch im selben Jahr konnte erstmals die Öffentlichkeit das Schloss besichtigen. 1935 gelang dem Hotelier Hans Schadendorff die Sicherung des Schlosses als Baudenkmal und 1938 wurde das Schloss zum Museum für schleswig-holsteinische Adelskultur, getragen von einem neu gegründeten Schlossverein.

Eine der ersten großen Sonderausstellungen im Schloss zeigte die Funde der Grabungen aus dem Stellmoorer Tunneltal, die Alfred Rust zwischen 1931 -1938 leitete. Er entdeckte mehrere Rastplätze von alt- und mittelsteinzeitlichen Rentierjägern und konnte dadurch erstmalig die Existenz von Menschen in Nordeuropa während der Eiszeiten nachweisen. Die Phase der menschlichen Entwicklungsgeschichte vor rund 13.000 Jahren wird deshalb seither als „Ahrensburger Kulturstufe“ bezeichnet. Aufgrund der großen Bedeutung dieser Entdeckungen für die Archeologie ernannte die Stadt Ahrensburg Alfred Rust 1965 zum Ehrenbürger.

Die großräumige Besiedelung beginnt

Zur Verbesserung der wirtschaftlichen Lage von Arbeitslosen beschloss der Hamburger Senat den Bau von Klein- und Nebenerwerbssiedlungen, damit sich mittellose Familien mit Gemüsegärten und Kleinviehhaltung weitgehend selbst versorgen konnten. Siedlervereine sollten diese Idee in die Tat umsetzen. Nachdem die zur Verfügung stehenden Flächen im damals noch sehr engen Hamburger Stadtgebiet vergeben waren, suchte man im Umland. In Ahrensburg wurden die Flächen des ehemaligen Gutslandes angeboten, die außerdem auch an das Hamburger U-Bahn-Netz angeschlossen waren. Ab 1923 bis Mitte der 1930er Jahren wurden auf dem Gebiet der Gemeinde Ahrensburg und dem direkt angrenzenden Bünningstedt mehrere Siedlungen errichtet: Steinkamp, Reesenbüttel, Daheim, Bei den Tannen und Am Hagen, dazu kamen die Wochenendsiedlungen Heimgarten und Waldgut Hagen. Sie trugen zu einem beträchtlichen Bevölkerungsanstieg innerhalb eines Jahrzehnts bei (1930: 5243 Einwohner; 1939: 8146 Einwohner). Von den rund 3000 neuen Einwohnern waren gut die Hälfte Hilfsbedürftige, weil arbeitslos oder nur geringfügig beschäftigt. Diese Siedler stellten eine finanzielle Belastung für die Gemeinde dar. Arbeitsplätze gab es kaum, weil noch keine Industrie vorhanden war. Außerdem hatte die Gemeinde die Folgekosten wie z.B. Straßen– und Schulbau für diese Siedlungen zu tragen.

Der große Zuwachs an besiedelten Flächen und der Bevölkerungsanstieg machten es notwendig, dass Ahrensburg in den 1930ern die Stadtrechte beantragte und auch bewilligt bekam. Wegen des Krieges wurden diese erst 1949 überreicht. Sie bildeten die rechtliche Grundlage dafür, dass die Stadtverordnetenversammlung selbstständig über Investitionen und Wohnungsbaufördermittel entscheiden konnten.                                         Lions 59, 29 und Rust